Gewohnheiten sind mehr oder weniger gemütliche Wohneinheiten unserer Bequemlichkeit

Zwischen 30 und 50 Prozent unseres täglichen Handelns werden durch Gewohnheiten bestimmt. Wenn diese Gewohnheiten mit Ihren Zielen übereinstimmen, sind sie nützlich, manchmal sogar überlebenswichtig. Tun sie das nicht, stören sie oft nur, rauben Ihnen Zeit, Energie und schädigen manchmal auch die Gesundheit.

Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen guten und schlechten Gewohnheiten.

Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen guten und schlechten Gewohnheiten. Hat sich ein Verhalten einmal eingeschliffen, ist es sehr schwer, es zu ändern, auch wenn Sie sich das fest vornehmen. Trotzdem – oder gerade deshalb – können Sie sich Gewohnheiten zunutze machen. Wenn Sie besser verstehen, wie deren Mechanismen funktionieren und wo sie ansetzen, können Sie sie verändern.

Gewohnheiten, sind Verhaltensweisen, die Sie regelmäßig in einem stabilen Kontext ausüben – ohne viel darüber nachzudenken oder abzuwägen. Meist basieren sie auf Entscheidungen, die einmal bewusst getroffen wurden.

Ohne Gewohnheiten wäre unser Gehirn überfordert.

Die Konfrontation mit neuen und komplizierten Dingen erfordert Bewusstsein, Aufmerksamkeit und Konzentration – das Gehirn strebt darum danach, alles zu routinisieren.

Gewohnheiten sind sowohl stoffwechselbiologisch als auch neuronal billig. Das ist ein Vorteil: Sie müssen nicht mehr über grundlegende Verhaltensweisen nachdenken, etwa über das Gehen. Dafür steht Ihnen mehr mentale Energie zur Verfügung, um anderes zu tun.

Gewohnheiten navigieren uns durchs Leben.

Gewohnheiten navigieren uns durchs Leben. Ohne sie wäre unser Gehirn überfordert von all den Details des Alltags. Aber genau dieser Trick des Energiesparens macht es uns so schwer, unser Verhalten zu ändern. Denn diese Steuerung liegt in einem Bereich des Gehirns, der nicht bewusst kontrolliert wird.

Gewohnheiten sind kleine Süchte. Wenn wir die Erfahrung machen, dass ein bestimmtes Verhalten zu einer Belohnung führt, wiederholen wir es möglichst oft. Der Trick ist, dass das Gehirn das, was es kennt, irgendwann verstärkt: Es schüttet Botenstoffe aus, durch die wir uns besonders wohlfühlen.

Belohnungen erzeugen ein neuronal verankertes Verlangen, sie verändern das Gehirn und sie erhalten sich so selbst.

In ihrer Gleichförmigkeit verleiht uns die Gewohnheit Stabilität. Das Gefühl von Sicherheit. Gewohnheiten garantieren, dass die Welt um uns herum und das Ich gleichbleiben.

Doch Gewohnheiten haben auch eine Kehrseite.

Doch Gewohnheiten haben auch eine Kehrseite. Ohne dass Sie es bemerken, schränken sie unsere Wahrnehmung ein. Sie machen unflexibel und starr.

Wenn Sie Ihr Verhalten ändern möchten, muss der Kontext geändert werden. In verschiedenen Studien kam heraus, dass Raucher, die ihr Laster aufgeben wollten, doppelt so erfolgreich waren mit ihrem Vorhaben, wenn sie im Urlaub, weit weg von zu Hause gestartet sind.

Große Verhaltensänderungen geschehen, wenn sich der Kontext ändert. In diesen sogenannten teachable moments werden Gewohnheiten zeitweise unterbrochen.

Nur wenn Sie es vermehrt und nachdrücklicher schaffen, zuerst Ihr Verhalten zu ändern, wird sich auch Ihr Denken ändern. Das bedeutet gleichzeitig, weg zu kommen vom Irrglauben, dass Sie mit Ihrer geänderten Einstellung zum neuen Verhalten kommen.

Das wäre doch ein Versuch wert! Was meinen Sie?

Herzlichst Werner Kneer