Lebendigkeit und Autonomie im Kontakt

Ist die Führungskultur im Sport wirklich ein Heilsbringer für die Wirtschaft?
 
Trainer aus der Welt des Spitzensportes werden in privaten und öffentlichen Unternehmen gerne als Referenten und Impulsgeber eingeladen, wenn es darum geht, den Führungskräften einen etwas anderen Blick auf das Thema der Führung zu ermöglichen. Ich zweifle je länger je mehr, dass die Führung in der „normalen“ Arbeitswelt sich tatsächlich an der Führungskultur vom Leistungssport orientieren soll und kann.
Der Sporttrainer nimmt seine Führungsaufgaben auf zwei völlig unterschiedlichen Bühnen wahr.
Während dem Wettkampf wird seine Führungsarbeit und deren Wirksamkeit von den Medien und den sich vor Ort aufhaltenden Besucher beobachtet, interpretiert und kommentiert.
Unter der Woche führt der Sporttrainer seine Schützlinge während Trainingsblöcken, die je nach Wettkampfperiode kürzer oder etwas länger sind, jedoch selten länger als 180 Minuten dauern.
Die starke Fokussierung auf Ranglistenplätze, Endresultate und Medaillen macht die Wirksamkeit der Führungsarbeit über kurz oder lang messbar. Wenn sich der Erfolg nicht früher oder später einstellt, wird der Trainer ausgewechselt und eine neue Persönlichkeit übernimmt den Auftrag.
 In der „normalen“ Arbeitswelt findet Wettkampf und Training innert den 42 Wochenstunden permanent und im ständigen Wechsel statt und dies unter beinahe vollständigem Ausschluss der Oeffentlichkeit.  Die Resultatorientierung ist längst nicht in allen Bereichen so ausgeprägt. Oder wie kann die Leistung einer Pflegekraft im Altersheim messbar gemacht werden, die schon über 5 Jahren zuverlässig und mit grossem Einsatz Ihren Arbeiten nachgeht? Es hängen nirgends irgendwelche Resultatlisten der jährlichen Qualifikationsgespräche. Das Führungskräfte auf unteren und mittleren Führungsstufen wegen „Erfolgslosigkeit“ entlassen werden, habe ich in meiner langjährigen Beratungstätigkeit nur sehr selten gehört.
 
Sicherlich kann es sinnvoll sein, wenn sich Sporttrainer und Führungskräfte in einen Erfahrungsaustausch begeben und sich Einschätzungen von aussen holen, mit welchen Vorgehensweisen, Führungsinstrumenten und kommunikativen Strategien da vorgegangen werden könnte und welche allenfalls ähnliche Erlebnisse schon gemacht wurden.
 
Den gesellschaftspolitischen Entwicklungen vom Sport als „neue“ Religion und Heilsbringer für Unternehmen ist nach meiner Ansicht mit viel Sorgfalt und Aufmerksamkeit zu beobachten. Dies auch deshalb, weil ich die Neugier an neuen Trends und Entwicklungen rund um die Soft Skills jenseits der klassischen Themen der Trainingslehre und die damit verbundene Innovationskraft in der Welt des Sports ähnlich schwach ausgeprägt wahrnehme, wie in der Wirtschaft.
 
26. Dezember 2016

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